Die Anfänge (1895–1924)
Das Sängerleben in Haimburg reicht bis ins Jahr 1895 zurück, als Lehrer Drabesch aus Völkermarkt eine Sängerrunde gründete. Diese entwickelte sich über die Jahre weiter und führte schließlich am 23. August 1924 zur Gründung des Männergesangsvereins Scholle. Unter maßgeblicher Beteiligung von Ökonomierat Josef Glantschnig versammelten sich 26 sangesfreudige Männer im Gasthaus Speck in Haimburg, um den Verein ins Leben zu rufen. Der Name „Scholle“ symbolisiert die enge Verbundenheit mit der Kärntner Heimat, bestärkt durch das Vereinsmotto von Hans Wiegele:
„Die Heimatliebe ist ein festes Band fürs teure ungeteilte Kärntnerland.“
Erste Erfolge und Herausforderungen (1924–1945)
Unter dem ersten Obmann, Generalmajor Eugen Kapretz, und Chorleiter OSR Paul Zedlacher etablierte sich der Verein rasch in der Kärntner Chorszene. Ein bedeutender Meilenstein war die Fahnenweihe am 8. Juli 1928, die von Gästen aus Politik, Musik und Gesang begleitet wurde. Trotz zahlreicher Erfolge in den Folgejahren brachte der Zweite Weltkrieg eine Zäsur: 1944 ruhte die Vereinstätigkeit, viele junge Sänger kehrten nicht mehr heim.
Wiederaufbau und Wachstum (1946–1980)
Nach Kriegsende wurde der Verein unter der organisatorischen Leitung von Anton Lippnig wiederbelebt. Es folgte eine Phase des Aufschwungs, insbesondere unter Obmann Hans Wolbart (1949–1963). Als prägende Chorleiter dieser Zeit wirkten unter anderem OSR Leo Steiner und Dir. Fritz Grascher. Die Scholle erweiterte ihr Repertoire, trat bei großen Veranstaltungen auf und knüpfte neue Kontakte.
Ein besonders prägender Abschnitt begann 1952 mit der Übernahme der Chorleitung durch Dr. Hermann Wedenig, der den Verein 28 Jahre lang führte und das musikalische Niveau auf neue Höhen brachte. Unter seiner Leitung entstanden zahlreiche Chorwerke, Konzertreisen führten den Chor durch ganz Österreich und darüber hinaus. Wedenig war nicht nur ein begnadeter Musiker, sondern auch ein engagierter Kulturvermittler in der Region.
Professionalisierung und Internationalisierung (1981–2019)
1981 wurde Franz Hrastnig neuer Chorleiter, während Josef Maierhofer den Obmann übernahm. Diese Zeit war geprägt von bedeutenden Konzerten und internationalen Reisen. Highlights waren:
Teilnahme an internationalen Chorwettbewerben
Auftritte in Estland, Finnland, Spanien, Bulgarien, Deutschland und Italien
Organisation des Bundessängerfestes 1990 in Völkermarkt
Konzertreise nach Tallinn (1991)
Auftritte bei der EXPO 2008 in Saragossa
2005 übernahm Josef Lobnig die Obmannschaft und leitete gemeinsam mit Chorleiter Franz Hrastnig eine äußerst erfolgreiche Ära ein. Der Chor wuchs weiter, das Repertoire wurde erweitert, und die Scholle erhielt 2016 die höchste Auszeichnung: „Männerchor des Jahres“ beim ORF-Chorwettbewerb.
Die Scholle heute (ab 2019)
Nach 38 Jahren Chorleitung übergab Franz Hrastnig 2019 die Stimmgabel an Mag. Lukas Joham. Unter seiner Leitung konnte der Chor zahlreiche neue Mitglieder gewinnen, sodass die Scholle heute rund 60 aktive Sänger zählt. Trotz der Herausforderungen der Corona-Pandemie fand der Chor 2022 mit Konzerten wie der Langen Nacht der Chöre in Klagenfurt zurück zur Bühne.
Das Vereinsleben ist lebendig wie eh und je, geprägt von jährlichen Sololiederabenden, Konzerten und internationalen Auftritten. Die Zukunft der Scholle ist gesichert – mit einer starken Mischung aus erfahrenen und jungen Sängern bleibt der Chor ein Fixpunkt im Kulturleben Kärntens.
Ad multos annos, MGV Scholle Haimburg/St. Peter am Wallersberg!